13.15 Uhr rollt endlich der Tourbus vor dem Hotel an und die Idole unserer Jugend steigen freudestrahlend aus um von Uns in der Lobby in Empfang genommen zu werden. Shakehands und Umarmungen lassen auf einen sehr angenehmen weiteren Verlauf des heutigen Tages deuten. Nach einer kurzen Pause auf den Zimmern laden wir die Band in unsere Großraumlimousine ein, um dann inklusive einer kleinen Stadtrundfahrt den Rest des Nachmittags im Fotostudio zum Shooting und Life Interview zu verbringen. Perfekt vorbereitet, lässt es die Tourstress geplagten Männer zu einem entspannten Beisammensein werden. Nette Gespräche beim gemeinsamen Essen, die sich nicht nur um Musik drehen, runden die angenehme Atmosphäre ab, man fühlst sich unter Freunden die man ewig kennt, aber ein paar Monate nicht mehr gesehen hat.
Leider müssen wir wieder los, ab mit den Wagen zum Postbahnhof, Soundcheck und letzte Vorbereitungen stehen auf dem Plan, und wir genießen schon die ersten Klänge von dem was uns in zwei Stunden erwarten wird. Langsam füllt sich die etwas zu kleine Halle, Gedrängel entsteht, viele wollen den 40. Geburtstag Ihrer Band huldigen und haben schon lange vor der Halle in der Kälte ausgeharrt
Und dann endlich, 20.00 Uhr, pünktlich wie die Maurer, ohne unnötiges Vorprogramm, geht es los. Mick Box, Trevor Bolder, Bernie Shaw, Phil Lanzon und seit zwei Jahren neu im Boot Russell Gilbrook an den Drums, rocken sofort los und ziehen vom ersten Moment das Publikum in ihren Bann. Ein Song jagt den Anderen, kurze präzise Ansagen und eine unglaubliche Bühnenpräsens, lassen den Fans in der Halle die Nackenhaare hoch stehen. Wenn man diese doch schon etwas älteren Musiker auf der Bühne vor sich sieht, und beobachtet wie sie nach 40 Jahren so erfrischend wirken und eine Spielfreude an den Tag legen die Ihresgleichen sucht. Bernie Shaw hat die Menge voll im Griff. Er ist ein Entertainer vom allerfeinsten. Seine Gestik und Mimik passen in jeder Sekunde eines jeden Songs auf den Punkt genau. Ja, ich stelle Ihn mit dem großen Freddy Mercury auf eine Stufe, denn beide wussten und wissen genau in welchen Moment der richtige Knopf zu drücken ist um das Publikum an sich zu fesseln. In bestimmten Passagen verlässt er fast unauffällig die Bühne um seinen Kollegen die Show zu überlassen, wenn Mick Box ein Gitarrensolo im Spagatschritt darlegt oder Trevor Bolder seine Bassläufe mit hochgerissenem Instrument über dem Kopf spielt. Auch Er, der sonst immer sehr Ruhig am Bühnenrand steht und nur ab und zu mal einen Chorus ansingt, hat sich von dem treibenden Drums des „Neuen“ Russell Gilbrook mitreißen lassen. Dieser Mann hat es wirklich in sich. Er spielt sein Double Bass Set wie kein anderer und nur durch sein abwechselungsreiches und kraftvolles Spiel kommt dieser neue, erfrischende Sound zustande. Alle Alten Songs wurden neu eingespielt, schneller und heftiger als bekannt und bringen alle Musiker dazu schlafende Kräfte zu entfalten und sich in das Spiel dermaßen hinein zu steigern, das jeder sein Allerbestes gibt um das Konzert keine einzige Minute Langweilig werden zu lassen. Im Mittelteil, bei dem auch July Morning im neuen Gewand dargeboten wird, denke ich jede Sekunde daran das der Song absolut Spannend ist und bin gebannt was nach jedem Gitarrenriff neues auf mich wartet. Selbst vom zurückhaltenden Phil Lanzon an der Hammond Orgel sieht man geballte Fäuste und echte Gefühlsausbrüche bei jedem Akkord. Ich bin fasziniert und spätestens in diesem Moment habe ich für mich selbst beschlossen, das war das Konzertereignis dieses Jahres und jeder von Euch der diese Band einmal gut fand und nicht dabei war, sollte sich in den Aller Wehrtesten beißen, dessen bewusst was er hier verpasst hat.
Wie alles Schöne im Leben ist das Konzert leider viel zu schnell vorbei und nach einem Zugabenblock, natürlich mit „Lady in Black“ in der neuen, für mich besseren Fassung, verlassen uns unsere Idole. Wir verabschieden uns noch schnell Backstage von Ihnen und danken für einen wundervollen „Day in her Life“ an dem wir teilhaben durften um Euch davon zu Berichten.